Tosende Kaskaden, kühle Gischt und schattige Waldwege: Wasserfälle zählen zu den eindrucksvollsten Naturzielen. Mal reicht ein kurzer Abstecher, mal gehört eine kleine Wanderung dazu, dafür wartet am Ende ein echtes Naturschauspiel. Dieser Ratgeber stellt zehn Wasserfälle vor, die sich besonders intensiv erleben lassen – von großen Fallhöhen bis zu versteckten Tobeln, in denen man nur noch Wasser und Wald hört.
1. Kuhfluchtwasserfälle bei Farchant

Die Kuhfluchtwasserfälle sind ein echtes Kraftpaket im Wald. Drei Fallstufen stürzen zusammen rund 270 Meter ins Tal und zählen damit zu den höchsten Wasserfällen Deutschlands. Man läuft durch den Natur- und Erholungspark Kuhflucht hinein, bis an der unteren Stufe das erste Mal Sprühnebel in der Luft hängt. Steigt man weiter hinauf, gewinnt man mit jeder Kurve neue Blickwinkel und überwindet zwischen den Brücken rund 100 Höhenmeter. Der Wasserweg wirkt dabei ständig in Bewegung, mal als schmaler Strahl, mal als breites Rauschen. Besonders eindrucksvoll ist die Kuhfluchtquelle, die gut sichtbar aus dem Kalkgestein austritt. Ein kurzer Abstecher fühlt sich hier wie Bergwildnis an.
2. Röthbachfall am Obersee

Der Röthbachfall ist der große Maßstab in Bayern. Mit rund 470 Metern Fallhöhe gilt er als höchster Wasserfall Deutschlands und stürzt in zwei Hauptstufen fast senkrecht ins Tal. Am Obersee führt der Weg entlang steiler Felswände bis in den hintersten Talschluss, wo der weiße Wasserfaden plötzlich an der Wand hängt. Die obere Hauptstufe überwindet nahezu frei rund 240 Meter, bevor die unteren Abschnitte das Wasser weiter ins Becken führen. Durch die Lage im Nationalpark Berchtesgaden blieb das Naturdenkmal weitgehend unverbaut. Eine Uferwanderung von etwa drei Kilometern macht aus dem Besuch ein kleines Abenteuer. Direkt am Seeufer.
3. Josefsthaler Wasserfälle bei Schliersee

Die Josefsthaler Wasserfälle sind ein Klassiker für eine kurze Runde in den Bergen. Man kommt bis Josefstal und erreicht das Rauschen nach etwa 20 Minuten zu Fuß. Am Wasser angekommen, fällt der Bach über Felsstufen in klare Gumpen und schafft eine kleine Schlucht, in der die Luft sofort kühler wirkt. Der Steig bleibt natürlich und ist deshalb nicht für Kinderwagen gedacht; bei schlechter Witterung kann es nass, rutschig und matschig werden. Oben wartet ein guter Platz für eine ruhige Pause, während das Wasser im Hintergrund weiterarbeitet. Die Wasserstufen liegen eng beieinander. Ab dem Bahnhof Schliersee ist die Anreise auch ohne Auto unkompliziert.
4. Lechfall bei Füssen

Der Lechfall bei Füssen verbindet Stadtnähe mit wilder Wasserkraft. Über fünf Stufen fallen die aus den Alpen kommenden Wassermassen rund zwölf Meter in die Tiefe, und direkt darunter beginnt die enge Lechklamm, die der Fluss über lange Zeit in den Fels geschnitten hat. Man steht an Brücke und Wegen dicht am Tosbecken und spürt, wie schnell hier die Stimmung von Spaziergang auf Naturdrama kippt. Der Bereich ist als Naturdenkmal geschützt und zählt zu Bayerns schönsten Geotopen. Von den Wegen aus ist das Naturschauspiel gut einsehbar, und man bleibt dabei konsequent auf den markierten Pfaden. Unterhalb beginnt sofort der schmale Schluchtkorridor. Mit voller Wucht.
5. Rißlochwasserfälle bei Bodenmais

Die Rißlochwasserfälle zählen zu den höchsten im Bayerischer Wald und zeigen die Landschaft von ihrer rauen Seite. In der Rißlochschlucht überwindet der Rißbach auf 1,6 Kilometern rund 260 Höhenmeter und stürzt dabei in mehreren Kaskaden talwärts. Fünf Hauptstufen bauen sich zu einer Gesamthöhe von etwa 55 Metern auf, der Hauptfall fällt rund 15 Meter frei. Mehrere Bäche vereinigen sich in der Schlucht zum Rißbach, was das Rauschen besonders satt macht. Man bewegt sich hier zwischen Felswänden, Wurzeln und Moos, oft dicht am Wasserlauf, und erlebt die Kaskaden aus nächster Nähe. Die Kaskaden wechseln zwischen breiten Rinnen und schmalen Stufen.
6. Geratser Wasserfall bei Rettenberg

Der Geratser Wasserfall ist klein, aber genau deshalb so charmant. In einem Tobel treffen sich zwei Bäche und stürzen über eine etwa sechs Meter hohe Mauer in die Tiefe, bevor das Wasser in kleinen Stufen weiterzieht. Man steht schnell mitten im grünen Einschnitt, denn der Wasserfall liegt nur rund 200 Meter von der Straße entfernt. Trotz der Nähe wirkt die Umgebung erstaunlich ruhig, weil Wald und Wiese den Klang schlucken. Der Zugang gilt als leicht, und genau diese unkomplizierte Mischung macht das Naturziel so angenehm. Auch bei kurzem Aufenthalt nimmt man das volle Rauschen mit. Der Platz wirkt wie ein kleiner Geheimtipp.
7. Stuibenfall bei Oberstdorf

Der Stuibenfall liegt im Oytal und wirkt wie ein Vorhang aus Wasser vor dunklem Fels. An einer Wand aus stark gefältelten, roten und schwarzen Gesteinen fällt das Wasser etwa 30 Meter in die Tiefe. Die Straße ins Oytal ist für den öffentlichen Kfz-Verkehr gesperrt, wodurch die Anreise per Fuß oder Rad besonders entspannt bleibt. Am Ende folgt ein Anstieg, dann steht man vor dem Fall und spürt die Gischt, noch bevor man ihn ganz sieht. Bei viel Wasser ist der Sprühnebel weit im Tal wahrzunehmen. Nach dem hintersten Talabschnitt folgen noch rund 270 Höhenmeter bis zum Aussichtspunkt am Wasser.
8. Tatzlwurm Wasserfälle bei Oberaudorf
Die Tatzlwurm Wasserfälle bei Oberaudorf liefern auf kurzer Distanz großes Spektakel. Über zwei Felsstufen stürzt das Wasser insgesamt rund 95 Meter in die Tiefe und füllt den Schluchtkessel mit Sprühnebel. Schon nach wenigen Gehminuten vom Wanderparkplatz steht man an den Aussichtspunkten und hört das gurgelnde, rauschende Rauschen aus nächster Nähe. Gerade die Kombination aus schneller Erreichbarkeit und wuchtiger Fallhöhe macht den Ort so beliebt. Das Wasser arbeitet sich schäumend über den Fels, und in der feuchten Luft wirkt die Schlucht oft wie frisch gewaschen. Hält man kurz inne, merkt man, wie sich das Geräusch wie ein eigener Takt durch den Wald legt. Das bleibt im Ohr.
9. Zipfelsbach-Wasserfälle bei Bad Hindelang
Diese Wasserfälle sind ein Hochgefühl aus Wasser und Höhenmetern. Der Zipfelsbach stürzt über Felsen rund 300 Meter in die Tiefe und wirkt dadurch eher wie eine ganze Fallreihe als wie ein einzelner Sprung. Ausgangspunkt ist Hinterstein, von dort führt eine Wanderung zum Wasserfall und wieder zurück; die Route gilt als mittelschwer und bringt etwa 330 Höhenmeter auf rund 8,5 Kilometern zusammen. Unterwegs wechseln Waldpassagen und offene Stellen, an denen das Rauschen schon vorher durchdringt. Am Ziel steht man vor kühler Gischt, hört das Dröhnen in der Schlucht und merkt, wie schnell die Umgebung den Takt vorgibt. Das wirkt sehr direkt.
10. Trettstein-Wasserfall bei Gräfendorf

Der Trettstein-Wasserfall ist ein kleiner, aber sehr stimmungsvoller Fall in einem klammartigen Seitental nördlich der Fränkische Saale. Ein Bach hat hier widerstandsfähige Sandsteinbänke freigelegt, sodass mehrere kleine Wasserfälle direkt hintereinander entstanden sind. Das eigentliche Trettstein-Element wirkt wie eine natürliche Stufe, an der man dem Wasser ganz nah kommt, ohne dass es dauernd laut sein muss. Mit rund sechs Metern Höhe bleibt der Wasserfall überschaubar, dafür ist die Kombination aus Sandstein, feuchtem Moos und kühlem Schatten besonders charakterstark. Das wirkt überraschend intensiv. Als Naturdenkmal geschützt, bleibt die Schlucht ein ruhiger Ort für eine kurze Pause direkt am Wasser. Ohne viel Trubel.
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