Nürnberg trägt seine Geschichte offen zur Schau: Oben auf dem Sandsteinfelsen die Burg, unten die Pegnitz, dazwischen Fachwerk, Plätze, Kirchen. Vieles erinnert an Reichstage, an Handwerkerzünfte und an große Namen wie Albrecht Dürer. Gleichzeitig wirkt die Stadt erstaunlich entspannt, fast nachbarschaftlich. Dieser Überblick sammelt zehn Schauplätze, an denen sich Nürnbergs Charakter besonders gut zeigt - vom stillen Garten bis zum berühmten Weihnachtsmarkt, an dem es gern ein wenig voller wird.
1. Albrecht-Dürer-Haus
Das Albrecht-Dürer-Haus klebt förmlich unterhalb der Burg und wirkt, als sei es direkt aus einem Holzschnitt herausgefallen. Innen knarren die Treppen, die Decken sind niedrig, die Räume streng gegliedert. Bilder, Modelle und Druckstöcke holen Dürers Welt ein Stück weit zurück.

Man merkt, wie eng Werkstatt, Wohnstube und Repräsentation hier beieinander lagen. Draußen auf dem Platz sitzt die Dürer-Figur gelassen vor seinem Haus - als würde sie alles kommentieren.
2. Kaiserburg
Die Kaiserburg thront auf dem Felsen, als wache sie noch immer über Handel, Stadttore und Menschen. Wege ziehen sich im Zickzack die Anhöhe hinauf, oben öffnen sich Höfe, Mauern und Türme.

Innen zeigen Ausstellungsräume Waffen, Alltagsgegenstände und Spuren höfischer Rituale. Auf den Wehrgängen schweift der Blick über Ziegeldächer und Kirchtürme hinaus ins Land. Abends, wenn die Burg angestrahlt wird, bekommt das Ganze etwas Bühnengeschehen, sehr bewusst in Szene gesetzt.
3. Weißgerbergasse
Die Weißgerbergasse wirkt wie eine Kulisse, die jemand vergessen hat abzubauen. Fachwerkhaus reiht sich an Fachwerkhaus, Balken, Erker und bunte Fensterläden erzählen vom früheren Gerberhandwerk. Heute ziehen statt Fässern und Häuten eher Kaffeetassen, Einkaufstüten und Kameraobjektive durch die Gasse.

Pflastersteine glänzen nach Regen besonders schön, wenn sich die Fassaden darin spiegeln. Abends legen sich warmes Licht und leises Stimmengewirr über das Viertel - ziemlich weit weg vom einstigen Arbeitslärm.

"In Nämberch is fei alles a weng scheener"
"In Nürnberg ist einfach alles ein bisschen schöner"
4. Maxbrücke
Die Maxbrücke spannt ihre steinernen Bögen ruhig über die Pegnitz und gibt den Blick frei auf Henkersteg, Weinstadel und Turm. Viel Spektakel braucht sie nicht, sie ist einfach da und hält.

Im Wasser darunter ziehen Enten gelassen ihre Bahn, gelegentlich schiebt sich ein Boot vorbei. Wenn die Sonne tief steht, färbt sie Steine und Fluss in weiche Töne. Dann merkt man, warum so viele Fotoalben genau hier ein Motiv mehr bekommen.
5. Hauptmarkt
Der Hauptmarkt ist so etwas wie Nürnbergs große Bühne. Am Vormittag stapeln sich Obstkisten, Wurstsemmeln und Blumensträuße, dazwischen mischen sich Stimmen, Dialekte, kurze Gespräche. Über allem wacht die Frauenkirche, deren Figuren am Männleinlaufen zur Mittagszeit ihren Auftritt haben.

Ein paar Schritte weiter der Schöne Brunnen, an dem sich kaum jemand den goldenen Ring entgehen lässt. Manche schwören auf den schwarzen auf der anderen Seite - sicher ist sicher, bei Glücksritualen.
6. Burggärten
Die Burggärten schmiegen sich an die Mauern, als wollten sie der Burg etwas von ihrer Strenge nehmen. Wege führen an Beeten und alten Bäumen entlang, immer wieder öffnet sich der Blick hinunter auf die Dächer.

Man hört die Stadt, aber nur gedämpft. Im Bürgermeistergarten wird es noch ruhiger, fast versteckt zwischen Mauern und Balustraden. Hat man hier eine Bank erwischt, bleibt man gern etwas länger sitzen - auch wenn noch Programm auf der Liste steht.
7. Henkersteg
Am Henkersteg treffen hübsches Postkartenmotiv und dunkle Geschichte aufeinander. Der überdachte Holzsteg, der Weinstadel und der Turm wirken heute fast romantisch, doch der Name erinnert an frühere Zeiten.

Wasser umfließt die kleine Insel, auf der der Henker einst eher geduldet als geschätzt lebte. Jetzt klappern nur noch Kameras, manchmal ein Rollkoffer. Wenn die Lampen am Ufer angehen, legt sich ein weiches Licht über Balken und Wasser - fast zu freundlich für diesen Ort.
8. St. Lorenz Kirche
St. Lorenz empfängt Besuch mit einem Meer aus Steinfiguren, Maßwerk und der großen Rosette über dem Portal. Innen steigt der Blick automatisch nach oben, so hoch schwingt sich das Gewölbe. Kunstwerke wie der Engelsgruß von Veit Stoß hängen scheinbar schwerelos im Raum.

Farbiges Licht der Glasfenster wandert über Pfeiler und Boden. Wenn die Orgel einsetzt, verschwimmt für einen Moment das Gefühl für Größe und Zeit - sehr viel Geschichte in einem einzigen Kirchenschiff.
9. Justizpalast
Der Justizpalast erzählt Geschichte ohne großes Pathos, eher über Aktenordner, Fotos und einen nüchternen Saal. Hier wurde im Schwurgerichtssaal 600 nach dem Krieg verhandelt, was sich schwer überhaupt in Worte fassen lässt.

Ausstellungstafeln, Ton- und Filmaufnahmen ordnen Namen, Taten und Urteile ein. Der Raum selbst wirkt beinahe schlicht, vielleicht gerade deshalb so eindringlich. Beim Blick auf die Stuhlreihen denkt man unweigerlich an die Menschen, die hier Platz nehmen mussten.
10. Christkindlesmarkt
Der Christkindlesmarkt legt sich in der Adventszeit wie ein Lichterteppich über den Hauptmarkt. Zwischen Holzbuden duftet es nach Lebkuchen, Glühwein und gebrannten Mandeln, irgendwo spielt leise Musik.

Das Christkind eröffnet von der Empore der Frauenkirche aus ganz offiziell die Saison. An den Ständen funkeln Rauschgoldengel, Kugeln und Sterne um die Wette. Spätestens wenn der erste Schneeflockenwirbel dazukommt, wirkt das Ganze fast zu sehr nach Bilderbuch - aber niemand beschwert sich.
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